Autopoiesis

 

Ist das Rauschen des Meeres Beweis für die Existenz des Rauschens oder des Meeres? Und das Schweigen des Himmels?

 

Wenn das Meer keine Wellen hätte, um es dem Meer zu entreißen und ihm zurückzugeben; Wenn das Meer zuviel Wellen hätte, aber nicht genug -, um den Horizont zu überschwemmen; Genügend - aber nur gerade eben - , um die Erde zu beruhigen, wenn das Meer keine Ohren hätte, Um das Meer zu hören, keine Augen hätte, um für immer der Blick des Meeres zu sein;

Wenn das Meer weder Salz noch Schaum hätte, dann wäre es das sterbende Meer inmitten der von ihren Wurzeln abgeschnittenen Sonne, es wäre das sterbende Meer inmitten derAbgeschnittenen Zweige der sonne, es wäre das verminte Meer, dessen Explosion die Welt In ihrem Elefantengedächtnis bedroht. Aber die Früchte. Was würde aus den Früchten?

Aber die Menschen. Was würde aus den Menschen?

 

Edmont Jabés, Buch der Fragen, Alpheus Verlag Berlin

 

Autopoiesis 1 · 1988

 

Autopoiesis 2 · 1988

 

Autopoiesis 6 · 1988

 

Autopoiesis 7 · 1988

I put my babies in a bag

 

Die Fotoserie “I put my babies in a bag” (1995 – 1999) spielt mit zahlreichen erotischen Konnotationen: Liegengelassene Kondome am Strand, der männliche Fasan als Sinnbild eines ausgeprägten Trieblebens, die Flamingoblume als Phallussymbol, die Intimität eines Hotelzimmers mit zugezogenen Gardinen. Hier treffen Fundstücke und zufällig entdeckte Szenerien auf inszenierte Fotografie.

 

Hartwig Knack

I put my babies in a bag

 

The photo series I put my babies in a bag (1995-1999) plays with numerous erotic connotations: condoms on the beach, the male pheasant as an allegory of expressed sexuality, the flamingo flower as a phallic symbol or the intimacy of a hotel room with curtains drawn. Zahornicky lent the various venues a sensuously uninhibited air.

 

Hartwig Knack / Translated by Peter Lillie

 

Möve, Rovinj · 1999

 

Nauset Beach, Orleans, MA · 1995

 

Cocks Hill, Dartmoor National Park, GB · 1997

 

Americana Holiday Hotel, West Yarmouth, MA, USA · 1995

 

Pressbaum · 1996

 

Salisbury Plain, GB · 1997

Anamnesis

 

Die eingefangenen Erinnerungen ehemaliger Erlebnisse des Robert Zahornicky – Bilder ohne Bilder:

 

AMNESIS. Vier Photographien, vier Wandabwicklungen. Wo einst Bilder die Wände geschmückt, bleiben Spuren der Erinnerung. Nachbilder, die nur langsam verblassen. Zahornicky fängt die Aura der ehemals aufgehängten Bilder ein und katalogisiert Anspielungen auf Dehnbares, das nicht dargestellt werden kann. „Ist ein Bild erst eines, wenn etwas drauf ist? Was kann alles weggelassen werden, ohne das es aufhört, ein Bild zu sein?“

Der Raum wird durch eine unscheinbare Montage zu einem anderen. Vexiertechniken, zarte Umstülpungen, kleine Verkehrungen sind es, die der Regisseur hier vornimmt.

 

Wolfgang Zinggl in Bilder 78: Fotogalerie Wien 1992

 

Anamnesis 5 · 1990

 

Anamnesis 6 · 1990

Flat World

 

Schon in meiner 1993 begonnenen Arbeit terraforming bildete ich den Begriff der geistigen Reise, des Fliegens im Sinne der Schamanen. Waren es damals Algenlandschaften als fiktive geographische Gebilde, als Form der Distanz zur Welt, als Möglichkeit des Fliehens, so werden seit 1994 bei der Arbeit an FlatWorld computergenerierte Menschenbilder  (seit 1996 urbane Strukturen) zu Landkarten. Inspiriert von dot-paintings, mythischer Landschafts-Kartographie der Aborigines, erzeuge ich dot-printings, aus Millionen Pixeln bestehende Plan-Konstrukte. Die Songlines werden zu Scanlines. Weitere Überlegungen bewegten sich um Charles A. Hinton‘s Erzählung A Plane World, Edwin A. Abbot‘s Roman Flatland und die Astronomie einer flachen Welt von Rudolf Kippenhahn.

 

In meiner Auseinandersetzung mit urbanen Lebens- und Umgebungsräumen entwerfe ich eine Kartographie, wodurch die Beschreibung eine Abstraktion erfährt, in der die Realität verborgen, reduziert oder gar gänzlich aufgelöst wird. Diese virtuellen Realitäten gelten als eigene Welt, die aber an Kenntnisse und Erfahrungen von bereits Gesehenem appelieren.

 

Photographie steht als Ausgangsbasis: durch die weitere Bearbeitung mittels Computer werden diese Signale als Datensatz benützt, der zu fiktiven Landkarten umgedeutet und durch die Bearbeitung auf zweidimensionale Flächenwelten reduziert wird. Diese zunächst bedeutungsneutrale grafische Struktur wird in einem zweiten Schritt mit Hilfe der Benennung neu definiert. In Anlehnung an die Gestalt der entstandenen Flächen werden spezifische Zonen zu Orten einer virtuellen Landkarte. Mittels bewußter Zuordnung von Farben wird der Landschaftscharakter  modelliert,  die  Namensgebung  der  Orte folgt dann dem daraus hervorgehenden Stimmungsgehalt. Die Interpretationsweise des ursprünglichen Datensatzes entspricht nun mehr den Bedingungen der aktuellen Innenwelt des Betrachters als den Prinzipien der zugrundeliegenden äußeren Wirklichkeit. Dadurch erfinde ich eine Welt, gebe ihr Sprache und Bilder und mache sie so erfahrbar. Sie ist dann kein Abbild primärer Wirklichkeit, sondern eines Denkvorganges, welcher diese in subjektspezifische Weise repräsentiert. Land ist in dieser Form keine materielle, sondern eine philosophische Größe.

 

Auch der Reisende erlebt den bereisten Ort nicht nach Kriterien interpersoneller Objektivität, sondern nach den aufgrund seiner Persönlichkeit vorgegebenen kognitiven und affektiven Wahrnehmungsmustern.

 

Red Cap Island 2 · 1995

 

Pebble-culture · 1995

 

Le Pays Perdu · 1995

 

Tumuli Area · 1995

Pocket Museum

 

Im PocketMuseum werden Flächen in öffentlichen Medien benutzt, um Gedanken im Kontext der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Kunst Raum zu geben. Unvoreingenommen werden Fragmente aus der Welt (oder dafür extra angefertigte Artefakte) aus der Welt entnommen und in neuer Kombination aneinander gebunden. Aus Politik, Wissenschaft, Kunst und dem Tagesgeschehen wird eine, manchmal aus dem Sinnzusammenhang gerissenen Reaktionauf die Umwelt angefertigt.

 

Das "Pocket Museum" war als Weiterführung des "Taschenmuseums" in der "WirtschaftsWoche" gedacht. Das "Taschenmuseum"erschien in fünf Ausgaben während der Laufzeit der Ausstellung "Horizonte" in den Schaufenstern der Kunsthalle Wien von 4. Dezember 1995 bis 4. Februar 1996. Dort wurde ein "Künstlicher Horizont", gleich den Bildern in den Schaufenstern gezeigt. Die "WirtschaftsWoche", die in der Kunsthalle Wien kostenlos zu entnehmen war, diente während dieser Zeit als eine Art "Katalog".

 

Jedes Monat (oder auch jeder Woche) sollte in einem Periodikum ein anderer, imaginärer Künstler vorgestellt werden. Die fiktiven Biografien der nicht existenten Künstler sollten an anderer Stelle (z. B. im Internetauftritt des Periodikums).

 

Pocket 1 · 1996

 

Pocket 3 · 1996

 

Pocket 5 · 1996

 

Pocket 6 · 1996

Artefakte

 

Beim Bau einer Gaspipeline von Laa an der Thaya nach Großsiegharts fand man viele kulturelle Hinterlassenschaften des frühen Menschen. Nachdem Archäologen  diese Fundstücke zutage förderten, grub ich an anderen Stellen keine Kunstobjekte, sondern Objekte des täglichen Lebens in unserer Zeit wieder ein. Dabei handelte es sich um Coca-Cola-Dosen, ein Perforatorlochband (welches im zu Ende gehenden Bleisatzalter und im beginnenden Fotosatzalter die Setzmaschinen steuerte), einen Autoreifen, eine Kronen-Zeitung, einen Kodak Ektacolor 160 Film (der heute auch schon Geschichte ist), ein Sparbuch mit einer beträchtlichen Summe, ein Buch „Geschichte der Archäologie“ vor der Tafel „Landschaftsschutzgebiet“, eine alte Autohupe wie auch zwei Polaroid SX-70-Fotos auf der Sauweide bei Zwingendorf, eines das Umfeld zeigend, das andere die Josowitzer Gedenkstätte. Die Auswahl ist eine rein subjektive und auch zufällige. Auch werden Teile dieser „Artefakte“ später zu weißen Flecken in der Geschichte. Papiere, Stoffe etc. verrotten, sind von der kommenden Generation nicht mehr nachprüfbar, Hingegen Aluminium, Blei, Glas bleiben für künftige Archäologen als Beweis unserer Existenz, Zeugnisse der Geschichte.

 

Diese Arbeit war Teil der Ausstellung „Gefunden“, welche von Mai bis September 1988 auf Schloß Ottenstein gezeigt wurde.

 

 

„Im nächsten Raum (2) spielt Robert Zahornicky in einer Fotoserie mit dem Gedanken, zeittypische Gegenstände durch „Eingrabung“ einer fernen Zukunft als Fundobjekte zu bescheren.“

 

Wolfgang Hilger im Katalog zur Ausstellung

 

Plan · 1988

 

Dietmannsdorf 1 · 1988

 

Dietmannsdorf 2 · 1988

 

Großpetersdorf 1 · 1988

 

Großpetersdorf 2 · 1988

Die Wiederkehr

 

Die insgesamt 20 Fotos umfassende Serie „Die Wiederkehr“ (1980) lässt hoffen, sich irgendwann wie Phönix aus der Asche zu erheben. Entstanden in der Camargue, zeigen die Aufnahmen Katalin Zahornicky, die Frau des Künstlers, in den Wellen des Meeres verschwinden. Im Kontext der Venus von Willendorf drängt sich der Mythos der Aphrodite, der „Schaumgeborenen“, auf, die nach dem antiken Dichter Hesiod auf Zypern dem Meer entstiegen ist. Hier wählt die griechische Göttin der Schönheit und der Liebe den Weg zurück zu ihrem Ursprung, nur ihr Kleid und einen Fußabdruck hinterlassend, um einst vielleicht wiedergeboren zu werden.

 

Hartwig Knack

The Return

 

The twenty photographs in the series The Return raises hopes of our ultimately arising phoenix-like out of the ashes. Shot in the Camargue, the photographs depict Katalin Zahornicky, the artist’s wife, walking out into the Mediterranean and disappearing beneath the waves. Given the context of the Venus of Willendorf, the immediate association is with the myth of Aphrodite 'arisen from the foam', who according to the ancient poet Hesiod stepped out of the sea near Cyprus. In this instance, the Greek goddess of beauty and love chooses to take the path back to her origins, leaving only her dress and footprint behind, in anticipation of her possible rebirth at some time.

 

Hartwig Knack / Translated by Peter Lillie

 

Die Wiederkehr 01

 

Die Wiederkehr 04

 

Die Wiederkehr 10

 

Die Wiederkehr 15

 

Die Wiederkehr 18

 

Die Wiederkehr 20

Das Geheimnis der Titanic

 

Objekte ganz anderer Art finden sich in den Arbeiten des Fotoprojekts „Das Geheimnis der Titanic (1987/88)“, die Zahornicky zum Teil auch in seiner Aktion „Der Schatz der Nibelungen“ verwendet hat. Der Künstler deponiert Verpackungen von MacDonalds-Snacks, ein Foto der Bordwand der Titanic, ein Luftballon mit dem Zeichen für Radioaktivität, seinen Personalausweis und anderes mehr am Boden des Meeres und begibt sich mit der Unterwasserkamera in die Rolle des Schatzsuchers. Seit der ersten bemannten Erkundung des Wracks 1986 sind mittlerweile tausende gehobene Artefakte der Titanic wie Geschirr, Dollarnoten, Schmuck oder Uhren im Handel und kommen auf Auktionen zu astronomischen Preisen unter den Hammer.

 

Hartwig Knack

The Secret of the Titanic

 

Objects of a completely different kind are to be found in the works contained in The Secret of the Titanic (1987/88), parts of which Zahornicky also used in The Treasure of the Nibelungens. He deposited on the sea bed packaging taken from McDonald's snacks, a still from a film about the loss of the Titanic, a balloon bearing the radioactivity sign, his identity card and other items and then with the aid of an underwater camera he lay false trails.

 

Hartwig Knack / Translated by Peter Lillie

 

F · 1987-1988

 

U · 1987-1988

 

L · 1987-1988

 

Titanic · 1987-1988

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