Unüberwindlich ist der Horizont die Grenze der Erfahrbarkeit.
Unphotographierbar das Licht, da ich doch mittels Licht Gegenstände
abbilde.
Am Kristallisationspunkt Horizont, der Differenz zwischen Erfahrbarem
und dem Unerfahrbarem, werden virtuelle Wirklichkeiten erzeugt. Auch das
Licht entsteht aus der Differenz zwischen zwei Materiezuständen, und
offenbart seine Gestalt erst, wenn es auf die Grenze zwischen
lichtgeschütztem und offenem Film trifft.
Das Licht bricht wie eine Brandung an einer Küste aus Grenzflächen. Und
an dieser Grenzkante offenbart sich nun die Wellennatur, die
Teilchennatur, die Farbenpracht und all der ungestüme Charakter des
Lichts. Es prägt sich selbst in den Film ein und legt in den
Photographien dauerhaftes Zeugnis eines Augenblicks.
Und dennoch treibt uns die Sehnsucht, den Horizont zu übersteigen,
unweigerlich voran. Das Schneller, Weiter, Höher unserer Zeit findet
nicht zu Letzt seinen Ausdruck in künstlichen Horizonten, denen die
natürliche Sicht der Dinge schon lange nicht mehr genügt.
Kein Flugzeug ohne einen solchen künstlichen Horizont, der dem Piloten
selbst bei größter Desorientierung verrät, in welcher Lage sich sein
Fluggerät und damit er sich selbst befindet. Die Fülle der Möglichkeiten
um unsere beschränkte Weltsicht auszudehnen, liegen weit jenseits
unseres geistigen Horizontes.
Diese Horizonte sind Licht-Selbst-Portraits, Abbildungen des reinen
Lichts, das alle Informationen in sich birgt und keinerlei Abbildung der
Außenwelt. Wir sollten sie als Spuren sehen, die es zu entziffern gilt.
Bedeutet das nicht, daß wir die Dinge bloß nach unseren Bildern
erschaffen und daß nur in uns die Wirklichkeit ist?
Alfred J. Römer
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