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last update: 29. 8. 2017

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Die Fotogramme Robert Zahornickys entwickeln sich klassisch; in Synthese mit dem auftreffenden Licht gestalten sich verschiedene Formen naturalistischer Ausgangsobjekte auf dem Fotopapier. Kein weiteres, fremdes Medium findet seinen Eingang in diesen Entstehungsprozess. Und doch werden auch hier immer wieder starke Reminiszenzen an die fotografischen Arbeiten des Künstlers spürbar.

Grundlage seiner Werke sind naturalistische Objekte wie Zweige, Blätter, oder einzelne Blüten, die Robert Zahornicky nach bestimmten Kriterien bewusst auswählt. Die daraus entstehenden Fotogramme sind als Serien zu lesen. Eine Reihe schwarzweißer und eine farbiger Arbeiten bilden je ein Arrangement.

Im Falle der schwarzweißen Fotogramme wird jeweils eine Pflanze auf ein Blatt des Fotopapiers drapiert. Während des Belichtungsprozesses beginnt Zahornicky nun diesen pflanzlichen Gegenstand zu bewegen, leichte Verschiebungen oder Drehungen werden so im Fotogramm verewigt. Die dadurch entstandenen Manipulationen finden ihren Ausdruck in verschiedenen Bewegungselementen, die nun eine tiefenräumliche Staffelung des Objektes sichtbar machen.

Der Gegenstand wird durch den äußeren Eingriff entfremdet, und neue, am Originalobjekt nicht sichtbare Windungen und Linien entstehen. Dadurch wird die Pflanze zum Objekt degradiert, das sich dem Kunst-Wollen des Künstlers zu unterwerfen hat. Losgelöst von seiner inhaltlichen Funktion muß dieses nun verschiedenen formal übergeordneten Kriterien entsprechen. Dabei wird gelegentlich auch eine Reduktion des pflanzlichen Gegenstandes in Kauf genommen, der bruchstückhaft und fragmentarisch wiedergegeben erscheinen kann. Lediglich eine vage Erkennbarkeit bleibt durch unser kollektives Gedächtnis bestehen. Obwohl der Betrachter das Original nicht kennt, erzeugt die Veränderung bei ihm doch eine gewisse Verunsicherung und Irritation.

Die Loslösung des Objekts aus dem Kontext der Natur hat bereits stattgefunden. Der Fokus richtet sich nun auf die Dekonstruktion. Zahornicky decodiert die Pflanzen gleichsam, entfremdet sie ihrem ursprünglichen Zusammenhang, und macht so aber auch eine neue Lesung möglich.

Die Drehungen und Wendungen simulieren zeitgleich eine neue Wirklichkeit. Bewegung suggeriert Wachstum, ein Prozess, der Pflanzen spezifisch ist, aber der hier lediglich durch den Künstler vorgegeben wird. Realität und Fiktion werden zu einer Einheit verdichtet.

Wachsen bedeutet aber auch Veränderung, simuliert einen zeitlichen Ablauf, wie dieser ebenso dem Medium des Films zu Eigen ist. Gleichsam wie die einzelnen Sequenzen eines Lichtfilms nehmen die Fotogramme Robert Zahornickys die temporären Abfolgen wahr, um diese alle zeitgleich wiederzugeben. Wie bei einem mehrfach belichteten Film sind die Abläufe nun übereinander projiziert, wodurch sowohl ein Einblick in Gegenwart, wie auch in die Vergangenheit erlaubt scheint. Dieser Moment wird durch die serielle Hängung von Zahornickys Werken noch verstärkt.

Durch die Wiedergabe der Bewegung bleiben bruchstückhafte Spuren des ursprünglichen Ausgangsobjekts sichtbar, werden als solche aber gleichzeitig bereits überlagert und sind so nicht wirklich mehr existent. Dabei hat das Objekt seine Präsenz an sich nicht eingebüßt, sondern diese vielmehr immer wieder dupliziert. Es erscheint verunklärt, ist entfremdet und entsteht als Ÿüberarbeitetes Bild, oder genauer gesagt als Fotogramm - also das Gegenbild - neu.

Die Farbfotogramme Robert Zahornickys sind aus dem Kontext seiner Schwarz-Weißarbeiten herausgelöst. Als Objekte fungierten in verschiedenen Konstellationen drapierte und arrangierte Blütenblätter, die, ähnlich einem snapshot, ausschnitthaft dargeboten werden. Trotz der formalen Klarheit ihrer Präsentation bleiben die Gegenstände nicht immer eindeutig lesbar. Erinnerung an Malerei wird wach, Assoziationen zu Bluttropfen keimen auf. Die durch das Licht zerklüfteten Ränder der einzelnen Blüten scheinen wie Farbtropfen zu verschwimmen, eine Verschmelzung mit dem Hinter- oder respektive Vordergrund findet statt. Auch bei seinen Farbfotogrammen lässt uns Zahornicky über einiges im Unklaren, seine Arbeiten erschließen sich dem Betrachter nur langsam, lösen sich aber nie ganz auf.

Inge Nevole im Katalog "Fotogramme 1920 > now", Künstlerhaus Wien, 2006




Robert Zahornicky's photogrammes evolve along classical lines: in synthesis with the emerging light, various forms of realistic starting points take shape on the photographic paper. No other medium from without intrudes upon this creative process. Yet, none the less, there are traces, markedly reminiscent of the artist's photographic works

The very basis of his work are objects derived from nature, be they branches, leaves or individual blossoms, that Robert Zahornicky consciously selects according to specific criteria. The resultat photogrammes are to been seen as a series. A series of work in black and white and one in colour constitute a sequence.

Where the photogrammes in black and white are concerned, a plant is draped across a sheet of photographic paper. While exposing it, Zahornicky starts moving the plant around; minor shifts or twists are thus captured in the photogramme. the manipulation so created finds its expression in different component movements that reveal the depht and spatial graduation of the object.

The extrication of the object formed its natural context has already taken place. The focus is now set on deconstruction. Zahornicky decodes the plants as it were, alienates them from their original setting and thus makes a new reading possible.

At the same time, the twists and turns suggest a new reality; movement is suggestive of growth, a process that is plant-specific, yet on this occasion is presented solely by the artist. Reality and function are melded into one.

Growth also means change; it simulates the course of time, something that is also characteristic of the medium film. Like the individual frames in a film so to speak, Robert Zahornicky's photogrammes capure sequences over time only to reproduce them all simultaneously. As in a film that has been repeatedly exposed, the events are projected on top of each other, thus seemingly granting insight into both the present and the past. This factor is compounded still further by mounting Zahornicky's works as series.

By depicting the movements, fragmentary traces of the original at the starting point are still discernible; however, they have been overlaid and thus no longer really exist. For its part, the object has not lost its presence, but has duplicated it repeatedly. It now appears indistinct; it is no longer familiar and emerges anew as a reworked image or, more precisely, as a photogramme - the counterpicture.

Robert Zahornicky's photogrammes in colour have been freed from the context of his works in black and white. The objects are petals draped and arrangede in a variety of settings which, like a snapshot, are presented as excerpts. Despite the formal clarity of their presentation, the objects cannot always be clearly interpreted. the edges of the individual petals transected by light seem to float like drops of colour as the merge with the black- and/or foreground. In his photogrammes Zahornicky also leaves us in the dark about certain things; only gradually do his works open up to the viewer, yet never do they reveal all.

Inge Nevole in the catalogue "Fotogramme 1920 > now", Künstlerhaus Wien, 2006

Translated by Peter Lillie